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Nachruf auf Alt-Landeshauptmann Silvius Magnago | Drucken |
smagnago.gif„De mortuis nil nisi bene – Von den Toten soll man nur Gutes reden“, sagt ein altes lateinisches Sprichwort. Das trifft auf den Privatbereich eines Menschen zu, nicht aber auf den öffentlichen Bereich, in dem er tätig war, stellt Roland Lang, Obmannstellvertreter des Südtiroler Heimatbundes und Leitungsmitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT fest! Somit wird das Handeln des SVP-Parteiobmannes und Südtiroler Landeshauptmannes Dr. Silvius Magnago auch über seinen Tod hinaus unterschiedlich und kontrovers beurteilt werden.

Magnago hat das historische Verdienst, in Jahre langen Verhandlungen mit Rom mit Zähigkeit und taktischem Geschick die Grundlagen der heutigen Südtirolautonomie geschaffen zu haben.

Es ist dies eine innerhalb der Region Trentino-Südtirol angesiedelte Provinzialautonomie, die Südtirol eng in das Gefüge des italienischen Staates verzahnt und einbindet, mit dessen Verwaltungsstrukturen vielfach verknüpft und Eingriffsrechte des Zentralstaates in die Autonomie bestehen lässt. Diese komplizierte Konstruktion soll aus römischer Sicht nach Möglichkeit eine weitergehende Verselbständigung Südtirols hintan halten.

Auf dem Weg zu diesem Verhandlungsergebnis hat Magnago unter vollem Einsatz seiner Persönlichkeit alle Selbstbestimmungsbestrebungen innerhalb und außerhalb seiner Partei bekämpft und unterdrückt. Bestärkt wurde er hierbei durch den österreichischen Außenminister Dr. Kreisky, welcher gegenüber Südtiroler Politikern entsprechende Erklärungen abgab. Dazu kam noch eine innere Gespaltenheit der damaligen SVP in Bezug auf die letzten Zielsetzungen der Südtiroler Politik. Es gab in der SVP auch zahlreiche Befürworter eines Arrangements mit Rom um jeden Preis. Auch mit diesen Kräften musste Magnago damals fertig werden.

Die ehemaligen politischen Häftlinge der Sechzigerjahre haben für ein höheres Ziel gekämpft als für eine international schlecht abgesicherte Subautonomie. Sie anerkennen das Lebenswerk Magnagos, aber nur als eine Zwischenlösung auf dem Weg in die Freiheit, die zum jetztigen Zeitpunkt aber ausgedient hat.

Eine Reihe damals schwer gefolterter politischer Häftlinge und auch deren Familien haben es Magnago aber nicht vergessen, dass er ihre aus dem Gefängnis herausgeschmuggelten Briefe, in denen sie ihre brutalen Folterungen durch die Carabinieri berichtet hatten, Jahre lang unter Verschluss und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hat, um das Verhandlungsklima mit Rom nicht zu stören.

Diese Briefe waren aber kein Privateigentum Magnagos gewesen, er hatte kein Recht gehabt, sie zu unterschlagen. Es waren Hilfeschreie an die Öffentlichkeit gewesen, um die Folterungen endlich abzustellen. Magnago hat geholfen, dieses Flehen um Hilfe zu ersticken. Er hat Mitschuld für die ungehemmte Fortführung dieser Bestialitäten auf sich geladen.

Nicht vergessen haben einige Familienangehörige inhaftierter Freiheitskämpfer auch, wie herzlos und gefühlskalt Magnago sie behandelt hatte, als sie bei ihm vorsprachen, ihn um Hilfe gegen die Foltermethoden anflehten und er ihnen die ihm überreichten Folterbriefe zurückwarf und erklärte: „Hätten die Buben nicht zum Sprengstoff gegriffen, so müssten sich die Angehörigen jetzt nicht um sie sorgen.“ Das hatte die Mutter des Pustertalers Hans Auer erleben und sich anhören müssen. Als man der Frau des inhaftierten Freiheitskämpfers Luis Steinegger dessen blutiges Unterhemd zum Waschen aushändigte und sie dieses zu Magnago brachte und ihm als Beweis für die Mißhandlungen vorlegte, hatte Magnago dieses Beweisstück zurück gewiesen und der erschütterten Frau erklärt, sie solle es einfach wieder mit nach Hause nehmen. Die Magnago zugegangenen zahlreichen Folterberichte waren von ihm weiter unter Verschluss gehalten worden.


Sehr spät, am 24. März 1976, hat Magnago auf der SVP-Landesversammlung in Meran das öffentliche Ansehen der Männer und Frauen des Südtiroler Widerstandes wieder hergestellt und erklärt: „Viele von ihnen haben schwere und größte Opfer auf sich genommen im überzeugten Einsatz für unser Volk.“ Weiters hob Magnago in dieser Erklärung hervor, daß bis zu den Anschlägen Italien die Existenz einer Südtirolfrage immer in Abrede gestellt und nur ergebnislose Gespräche geführt habe. „Die Einsetzung der Neunzehnerkommission (Anm.: Der Autonomiekommission, in welcher die Grundlagen der Autonomie erarbeitet wurden) ist sicher unter dem Eindruck des damals Geschehenen erfolgt.“

Magnago geht in die Geschichte als großer Südtiroler Politiker ein, der viel für sein Land geleistet und auch erreicht, den großen Schritt zur Freiheit aber nicht gewagt hat. Er geht aber auch in die Geschichte ein als widersprüchlicher Mensch, als ein Mann, der auch dazu fähig war, gegenüber Opfern und Leidtragenden Härte und Gefühllosigkeit zu zeigen und der Mitschuld daran trug, daß die unmenschlichen Folterungen weiter gehen konnten. Dafür hat er leider diejenigen nie um Verzeihung gebeten, die jetzt angesichts seines Todes im Gedenken ein Gebet für sein Seelenheil sprechen werden.

Roland Lang
Südtiroler Heimatbund und SÜD-TIROLER FREIHEIT

 

 
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