Am 26. September 2026 ist der Wiener Rechtsanwalt Mag. Reiner Mauritz verstorben. Bereits als junger Student war er ein entschlossener Gegner totalitärer Unterdrückung gewesen. Er war er wiederholt nach Ostberlin gefahren, um für den bundesdeutschen Nachrichtendienst (BND) anhand der Autokennzeichen sowjetischer Fahrzeuge deren Truppenzugehörigkeit zu dokumentieren.
Als nach den Anschlägen der „Feuernacht“ im Juni 1961 die Presse über bestialische Folterungen Südtiroler Gefangener durch die Carabinieri berichtete, hatte sich Rainer Mauritz zusammen mit anderen Studenten dem „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) angeschlossen und war am 10 September 1961 von den Carabinieri verhaftet und schwer misshandelt worden.
Er wurde im Februar 1962 vor dem Schwurgericht in Rom zu 5 Jahren, 5 Monaten und 10 Tagen Haft verurteilt.
Aufgrund von Amnestien und Begnadigungen konnten Mauritz und seine Mitgefangenen Helmut Wintersberger, Richard Schwach und Helmut Golowitsch sowie die deutschen Studenten Meurer, Klein und Schlegl im September und Dezember 1963 wieder nach Hause zurückkehren.
Nach seiner Freilassung schloss Mauritz sein Studium ab und kehrte trotz eines während der Haft erlittenen schweren Beinbruchs zum Fechtsport zurück. Beruflich leitete er mehr als drei Jahrzehnte ein multinationales Unternehmen.
Erst mehr als sechs Jahrzehnte später entschloss sich Mauritz, seine Aufzeichnungen aus der Gefängniszeit öffentlich zu machen. In seinem 2026 bei dem Effekt-Verlag in Neumarkt in Südtirol erschienenen Buch „Rabenschwarze Tage – Wenn Freiheit Freiheit kostet“ setzte er sich mit seinen Erlebnissen, aber auch mit Fragen nach Schuld, Verantwortung, Freiheit und persönlicher Haltung auseinander.
Wir trauern mit den Angehörigen und werden ihn in ehrendem Gedächtnis behalten.
Roland Lang
Obmann des „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB)