SHB trauert um Siegfried Steger – Auch ihm blieb italienische Menschlichkeit versagt!

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Mit tiefer Erschütterung und in ehrfürchtiger Dankbarkeit nimmt der Südtiroler Heimatbund Abschied von Siegfried Steger. Mit seinem Tod verliert Südtirol nicht nur einen unbeugsamen Vertreter der Freiheitsbewegung, sondern auch den letzten der vier sogenannten „Puschtra Buibm“, die in den 1960er-Jahren zu Symbolfiguren eines entschlossenen Widerstandes gegen staatliche Repression wurden.

„Mit Siegfried Steger ist eine Persönlichkeit von uns gegangen, die wie kaum eine andere für Standhaftigkeit, Opferbereitschaft und kompromisslose Treue zur Südtiroler Heimat stand. Sei

Siegfried Steger wurde 1939 in Mühlen in Taufers geboren. Aufgewachsen in einer Zeit politischer Spannungen und kultureller Bedrängnis, erlebte er früh die Folgen einer Politik, die von vielen Südtirolern als Missachtung ihrer Identität und Rechte empfunden wurde. Diese Erfahrungen prägten sein Denken und Handeln nachhaltig. Gemeinsam mit Sepp Forer, Heinrich Oberleiter und Heinrich Oberlechner wurde Steger in den 1960er-Jahren durch Aktionen gegen staatliche Symbole bekannt. Diese Aktionen standen im Kontext der damaligen politischen Situation, die von massiven Spannungen zwischen Staat und Südtiroler Bevölkerung geprägt war. Der Südtiroler Heimatbund betont, dass diese Taten im historischen Zusammenhang einer völkerrechtswidrigen Unterdrückungspolitik gegenüber der deutschen und ladinischen Volksgruppe zu betrachten sind. Es war die Notwehr eines Volkes.

Was folgte, war ein jahrzehntelanges Leben im Exil. Steger verbrachte den Großteil seines Lebens in Telfs. Trotz fortschreitenden Alters und schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigungen blieb ihm die Rückkehr in seine Heimat verwehrt. Die italienische Justiz hielt an Urteilen fest, die für viele Südtiroler bis heute ein schmerzhaftes Relikt einer konfliktreichen Vergangenheit darstellen. „Siegfried Steger war ein Mann mit klarer Haltung. Er hat das Exil getragen wie ein inneres Gelöbnis – in Würde, ohne Bitterkeit, aber mit unerschütterlicher Überzeugung.

„Für mich ist es sicher eine große Belastung, im Exil leben zu müssen, ohne die Hoffnung, die geliebte Heimat wieder einmal sehen zu können. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht an die Heimat denkt. Besonders zu Weihnachten und an bestimmten Feiertagen schmerzt die Seele. Oder, wenn die Eltern zu Grabe getragen werden, oder Verwandte und Freunde. Oder, wenn Hochzeiten, Taufen und dergleichen stattfinden. Die Zeit heilt zwar Wunden, aber die Narben in der Seele bleiben. Kein Chirurg kann sie wegschleifen. Sie bleiben bis zum Tod.“

(Zitat Siegfried Steger)

Dass ein alter, gesundheitlich schwer angeschlagener Mann bis zuletzt nicht in seine Heimat zurückkehren durfte, bewegt viele Menschen weit über parteipolitische Grenzen hinaus. Steger musste fern seiner Heimat sterben – fern der vertrauten Berge, fern der Gräber seiner Vorfahren, fern jener Orte, die sein Leben geprägt hatten. Nicht einmal das Grab seiner Mutter durfte er besuchen. „Es ist ein bedrückendes Zeichen, wenn in einem demokratischen Rechtsstaat die Humanität hinter formaljuristischen Argumenten zurücktritt. Dass Siegfried Steger in der Fremde die Augen schließen musste, bleibt ein dunkler Fleck in der lokalen Zeitgeschichte“, erklärt Lang.

Der Südtiroler Heimatbund sieht im Umgang mit den Exilanten der 1960er-Jahre eine bis heute nicht aufgearbeitete historische Wunde. Unabhängig von unterschiedlichen politischen Bewertungen bedürfe es eines ehrlichen, offenen und würdevollen Umgangs mit diesem Kapitel der Landesgeschichte.

Vor diesem Hintergrund richtet der Südtiroler Heimatbund einen eindringlichen Appell an die Südtiroler Landesregierung: Die Geschichte unseres Landes darf nicht verdrängt oder auf symbolische Gesten reduziert werden. Es braucht Mut zur historischen Einordnung, Sensibilität im Umgang mit Zeitzeugen und eine klare Haltung gegenüber jenen, die – aus ihrer Überzeugung heraus – für die Rechte Südtirols eingetreten sind.

Versöhnung entsteht nicht durch Schweigen, sondern durch Offenheit. Eine selbstbewusste Autonomie muss auch in der Lage sein, ihre konfliktreiche Vergangenheit anzusprechen, ohne Angst vor Kontroversen. Gerade im Sinne künftiger Generationen ist es notwendig, Geschichte nicht nur als abgeschlossenes Kapitel zu betrachten, sondern als Auftrag zur verantwortungsvollen Gestaltung der Zukunft.

Siegfried Steger sprach sich Zeit seines Lebens gegen eine Begnadigung durch den italienischen Staat aus. Auch weil für viele Anschläge nicht die Freiheitskämpfer verantwortlich sind! Für ihn war die Frage der Selbstbestimmung Südtirols kein taktisches Instrument, sondern eine grundsätzliche Überzeugung. Er blieb seiner Haltung treu – auch dann, wenn dies persönliche Nachteile bedeutete.

„Wir werden Siegfried Steger ein ehrendes Andenken bewahren. Sein politisches Vermächtnis – der Einsatz für die Selbstbestimmung Südtirols – bleibt für uns Auftrag und Verpflichtung. Sein Leben mahnt uns, Freiheit und kulturelle Identität niemals als selbstverständlich zu betrachten“, betont Roland Lang abschließend.

Der Südtiroler Heimatbund spricht seiner Tochter Katharina, allen Angehörigen sowie seinen Freunden sein tief empfundenes Mitgefühl aus. Mit Siegfried Steger endet ein Lebensweg, der von Überzeugung, Opferbereitschaft und unerschütterlicher Heimatverbundenheit geprägt war. Sein Name wird im Gedächtnis vieler Südtiroler als Symbol für eine Generation bleiben, die in schwierigen Zeiten ihren eigenen, oft schmerzhaften Weg gegangen ist.

Roland Lang
Obmann des Südtiroler Heimatbundes

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