Das Handeln des SVP-Parteiobmannes und Südtiroler Landeshauptmannes Dr. Silvius Magnago muss unterschiedlich und kontrovers beurteilt werden, so Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB). Er hat das historische Verdienst, in Jahre langer Verhandlungen mit Rom mit Zähigkeit und taktischem Geschick die Grundlagen der heutigen Südtirolautonomie geschaffen zu haben. Aber auf dem Weg zu diesem Verhandlungsergebnis hat Magnago unter vollem Einsatz seiner Persönlichkeit alle Selbstbestimmungsbestrebungen innerhalb und außerhalb seiner Partei bekämpft, unterdrückt, aber auch als Druckmittel in Rom missbraucht.
Dazu kam noch eine innere Gespaltenheit der damaligen SVP in Bezug auf die letzten Zielsetzungen der Südtiroler Politik. Es gab in der SVP so wie heute zahlreiche Befürworter eines Arrangements mit Rom um jeden Preis. Auch mit diesen Kräften musste Magnago damals fertig werden.
Aber die ehemaligen politischen Häftlinge der Sechzigerjahre haben für ein höheres Ziel gekämpft als für eine international schlecht abgesicherte Scheinautonomie. Der SHB anerkennt das Lebenswerk Magnagos, aber nur als eine Zwischenlösung auf dem Weg in die Freiheit.
Eine Reihe damals schwer gefolterter politischer Häftlinge und auch deren Familien haben es Magnago aber nie vergessen, dass er ihre aus dem Gefängnis herausgeschmuggelten Briefe, in denen sie ihre brutalen Folterungen durch die Carabinieri berichtet hatten, Jahre lang unter Verschluss und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hat, um das Verhandlungsklima mit Rom nicht zu stören.
Diese Briefe waren aber kein Privateigentum Magnagos gewesen, er hatte kein Recht gehabt, sie zu unterschlagen. Es waren Hilfeschreie an die Öffentlichkeit gewesen, um die Folterungen endlich abzustellen. Magnago hat geholfen, dieses Flehen um Hilfe zu ersticken. Er hat Mitschuld für die ungehemmte Fortführung dieser Bestialitäten auf sich geladen.
Nicht vergessen haben einige Familienangehörige inhaftierter Freiheitskämpfer auch, wie herzlos und gefühlskalt Magnago sie behandelt hatte, als sie bei ihm vorsprachen, ihn um Hilfe gegen die Foltermethoden anflehten und er ihnen die ihm überreichten Folterbriefe zurückwarf und erklärte: „Hätten die Buben nicht zum Sprengstoff gegriffen, so müssten sich die Angehörigen jetzt nicht um sie sorgen.“ Das hatte die Mutter des Pustertalers Freiheitskämpfer Hans Auer erlebt.
Als man der Frau des inhaftierten Freiheitskämpfers Luis Steinegger dessen blutiges Unterhemd zum Waschen aushändigte und sie dieses zu Magnago brachte und es ihm als Beweis für die Mißhandlungen vorlegte, hatte Magnago dieses Beweisstück zurückgewiesen und der erschütterten Frau erklärt, sie solle es einfach wieder mit nach Hause nehmen. Die Magnago zugegangenen zahlreichen Folterberichte wurden von ihm ebenfalls unter Verschluss gehalten!
Sehr spät, am 24. März 1976, hat Magnago auf der SVP-Landesversammlung in Meran das öffentliche Ansehen der Männer und Frauen des Südtiroler Widerstandes wieder hergestellt und erklärt: „Viele von ihnen haben schwere und größte Opfer auf sich genommen im überzeugten Einsatz für unser Volk.“ Weiters hob Magnago in dieser Erklärung hervor, daß bis zu
den Anschlägen Italien die Existenz einer Südtirolfrage immer in Abrede gestellt und nur ergebnislose Gespräche geführt habe. „Die Einsetzung der Neunzehnerkommission (Anm.: Der Autonomiekommission, in welcher die Grundlagen der Autonomie erarbeitet wurden) ist sicher unter dem Eindruck des damals Geschehenen erfolgt.“
Magnago geht in die Geschichte als großer Südtiroler Politiker ein, der viel für sein Land geleistet und auch erreicht, den großen Schritt zur Freiheit aber nicht gewagt hat. Er geht aber auch in die Geschichte ein als widersprüchlicher Mensch, der auch dazu fähig war, gegenüber Opfern und leidtragenden Härte und Gefühllosigkeit zu zeigen und der Mitschuld daran trug, dass die unmenschlichen Folterungen damals weiter gehen konnten.
Ihm zu Ehren ein Denkmal zu errichten findet daher nicht die Zustimmung des SHB. Er sollte auf seinem Platz mit einer Bronzetafel, einem Bild und einem kurzen Lebenslauf für seinen politischen Einsatz geehrt werden. Mehr nicht!
Der SHB muss der italienischen Rechten ein Kompliment aussprechen: Nach jahrzehntelanger Arbeit haben sie es nun über Umwege geschafft, den Laurinsbrunnen vom Magnagoplatz wegzubekommen.
Sie haben dabei allerdings übersehen, dass die Laurin-Sage, aus der das Denkmal entstand, überhaupt nichts mit Nationalismus zu tun hat. In der Sage geht es um einen Brautraub und deren Rückholung. Alle anderen Interpretationen entstanden zur Zeit des Faschismus und werden ohne Hinterfragung nachgeplappert. Auch der italienische Landesrat Tomasini hat am 17.1.2017 in Antwort auf eine Landtagsanfrage erklärt, dass er der Meinung ist, dass diese Statue für niemand eine Beleidigung ist. Da das Denkmal mit großzügiger Unterstützung der italienischen Bauarbeitergenossenschaft CLE restauriert wurde, ist es dadurch auch ein lokales Denkmal der italienischen Sprachgruppe geworden.
Roland Lang
Obmann des Südtiroler Heimatbundes
