Am Samstag Gedenksteinenthüllung in Blumau

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Zur Erinnerung an das von Italien vergessene Konzentrationslager „Campo di concentramento Prato d’Isarco“ – Tausende Regimegegner und Kriegsgefangene interniert.

Am kommenden Samstag, den 8. September wird mit Beginn um 17 Uhr bei der ehemaligen Bierbrauerei in Blumau zur Erinnerung an die im italienischem Konzentrationslager „Campo di concentramento Prato Isarco“ gefangen gehaltenen Soldaten und Regimegegner ein Gedenkstein enthüllt. Zugleich wird der Buchautor Günther Rauch seine umfangreiche Recherche über dieses bisher streng geheim gebliebene Lager präsentieren. Wenn man den neuesten, vor wenigen Tagen dem Buchautor vertraulich zugespielten Dokumenten Glauben schenkt, wurden in diesem Mussolini-KZ zeitweilig mehr als 3000 Regimegegner und Kriegsgefangene festgehalten.

Im Laufe des italienischen Nordafrikafeldzuges und der Militäraktionen gegen die Balkanstaaten und der Vertreibung der Südtiroler (Zweite Option) aus ihrer angestammenten Heimat hat Ministerpräsident Benito Mussolini seinen nach Bozen abkommandierten Unterstaatssekretär im Innenministerium, Guido Buffarini-Guidi, den Auftrag erteilt, nicht weit von der Brennergrenze ein Konzentrationslager zu errichten. Die Wahl fiel auf das 12 Hektar große Wirtschaftsgelände der ehemaligen Brauerei Blumau-Vilpian.

In diesem ab Neujahr 1941 bis September 1943 von schwerbewaffneten Armeesoldaten und faschistischen Milizen streng bewachten Konzentrationslager waren nach neuesten, in die Hände von Günther Rauch gelangten handschriftlichen Dokumenten, bereits in den ersten Wochen des Lagerbestandes mehr als 3000 (dreitausend) Gefangene interniert.

In den ersten Frühlingstagen wurden diese „verzweifelten Menschen aus Jugoslawien, deren Schicksal“ – laut Bericht eines KZ-Aufsehers – „gezeichnet war“, vom Konzentrationslager zum Bahnhof getrieben und mit mehreren Deportationszügen in völlig unbekannter Destination gebracht. Den Häftlingen aus den Balkanstaaten folgten 2500 britische, irische, neuseeländische, australische, indische, kanadische und später sowjetische Kriegsgefangene. Gefangen genommene Zivilisten aus den Balkanstaaten wurden auch als Zwangsarbeiter zum Bau des Virgltunnels eingesetzt.

Rotes Kreuz und Vatikan intervenierten für Gefangene

Für die Freilassung der Gefangenen in „Campo Isarco“ hatten sich das Internationale Rote Kreuz in Genf und besonders der Vatikan mit Pius XII. und dessen Emissäre eingesetzt. Darunter der apostolische Nuntius beim italienischen Quirinal, Monsignor Francesco Borgongini-Duca, und der KZ-Kaplan und Comboni-Missionar Giovanni Cotta.

Die apostolischen Gesandten, die in engem Kontakt mit dem Bozner Propst Josef Kalser standen, haben von verzweifelten Gefangenen auch geheime Botschaften aus dem KZ geschmuggelt.

Aufzeichnung vom 31. Oktober 1941 aus dem „Ufficium Segreto des Vatikans“.

Neben den von den Faschisten zensierten Briefen, gelangten aus dem KZ-„Campo d‘Prato Isarco“ auch geheime Botschaften an die Außenwelt. (Archiv Rauch)

Der Südtiroler Heimatbund hat diese sensationelle Geschichte aufgegriffen und mit dem Titel „Italiens vergessenes Konzentrationslager ‚Campo d’Isarco bei Bozen (1941-1943)“ mit Zustimmung des Autors als Buch veröffentlicht.

Auftakt mit der Karneider Musikkapelle

Die am Samstag auf 17.00 Uhr anberaumte Veranstaltung wird vom Südtiroler Heimatbund, dem Heimatpflegeverein, den Schützenkompanien von Karneid, Steinegg und Gummer und Gemeindevertretern von Karneid gemeinsam getragen.

Den Auftakt machen die Musikkapelle Karneid und die örtlichen Schützen, die mit den Abordnungen der Heimatvereine vom Josef-Kräutner-Platz zur Gedenkstätte in der Breiener Straße marschieren werden.

Es sprechen dann folgende Persönlichkeiten: Roland Lang, Obmann der SHB, Martina Lantschner, Bürgermeisterin von Karneid, Buchautor Günther Rauch und Christine Wunsch vom Heimatpflegeverein.

Nach dem Intermezzo der Musikkapelle wird die Friauler Schriftstellerin und Historikerin Alessandra Kersevan in italienischer Sprache einige Worte sprechen (deutscher Text liegt auf). Hierauf folgt die Rede des Karneider Schützenhauptmannes Walter Falser.

Gedenksteinsegnung durch Pfarrer Pater Josef Hollweck

Nach den Gedenkreden werden Jungschützen den Gedenkstein (mit der aussagekräftigen Inschrift) enthüllen. Es folgt die Einweihung des Gedenksteins durch Pfarrer Pater Josef Hollweck und die General-de-Charge durch die Karneider Schützen.

Nach einer Einlage der Musikkapelle werden SHB-Obmann Roland Lang, BM Martina Lantschner, Gemeinderat Karl Saxer, der Landeskomandant des Südtiroler Schützenbundes, Elmar Thaler, der Vertreter des Heimatpflegevereins Karneid, Matthias Vieider und die Gastrednerin Alessandra Kersevan am Gedenkstein einen Kranz niederlegen. An der Ehrerbietung werden auch eine Reihe von Südtiroler Persöhnlichkeiten beiwohnen.

Der offizielle Teil der Veranstaltung wird gegen 18.45 Uhr durch ein Schlusswort von Roland Lang abgeschlossen.

Anschließend wird die Musikkapelle Karneid noch die Tiroler Landeshymne spielen.

Verschiedene Rahmenveranstaltungen

Als Rahmenprogramm ist im Kulturhaus eine historische Bilderausstellung über Blumau zu sehen. Zum Anlass wird der Hobbyhistoriker Karl Saxer auch ein einmaliges Zeugnis über die Tiroler Bildungsgeschichte präsentieren.

Es handelt sich um ein Schulbuch der Blumauer Volksschulkinder aus dem Jahre 1914. In diesem Buch wurden zum Großteil von Kindern zusammengetragene Dorfgeschichten von Blumau und Umgebung und selbstkomponierte Sprüche aufgezeichnet. Die Ausstellung kann Samstag von 14.00 Uhr bis spät abends besichtigt werden. Im gleichen Raum wird der Buchautor Günther Rauch das vom Südtiroler Hreimatbund herausgegebene Buch über das Konzentrationslager signieren.

Für Speis und Trank und ein geselliges Beisammensein sorgen die Schützen von Karneid.

Die Organisatoren der Veranstaltung bitten alle Gäste und Teilnehmer sich für die Parkplätze an die Anweisungen der Freiwilligen Feuerwehr Kardaun und der Ordnungsdienste zu halten.

Im Auftrag des Organisationskomitees
Roland Lang

Südtiroler Heimatbund
Terlan/Siebeneich

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