Begrüßungsrede von Sepp Mitterhofer bei der Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier

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sepp_mitterhofer.jpgVerehrter P. Rainald, liebe Schützenkameraden, Marketenderinnen, Heimatbündler und Landsleute aus allen Teilen Tirols! Das heurige Jahr steht im Zeichen der Tiroler Freiheitskämpfe von 1809. Also 200 Jahre sind es her, dass sich die Tiroler von der Unterdrückung politischer und religiöser Natur gewehrt haben. Sie haben viele und große Opfer bringen müssen, haben heldenhaft gekämpft, gesiegt und letztendlich dann doch aufgeben müssen. Aber es war ein Fanal für Europa. Das tapfere Bergvolk hat den übermächtigen Feind bei mehreren Schlachten besiegt und hat dadurch den anderen unterdrückten europäischen Staaten gezeigt, dass man mit Mut, Einigkeit und Tapferkeit auch einen übermächtigen Feind zumindest vorübergehend in die Knie zwingen kann.

Können auch wir heute daraus etwas lernen? Ich glaube schon. Der
Freiheitswille der Tiroler von damals ist auch heute noch unser
Anliegen. Die Freiheit ist das höchste Gut für jedes Volk und wohl auch
der größte Wunsch. Das Selbstbestimmungsrecht , verankert in den
UNO-Resolutionen und in den Menschenrechtspakten von Helsinki ist
geschaffen worden um Kriege zu verhindern damit Völker frei entscheiden
können über ihren Status und wie und mit wem sie zusammenleben wollen.

Leider halten sich viele Staaten nicht daran, weil sie in ihrer Arroganz und ihrem Machtstreben die Macht vor das Recht stellen.

Und wir, sind wir wirklich frei oder sind wir auch fremdbestimmt? Wenn
sogar andere Minderheiten uns um unserer Autonomie beneiden, so heißt
das noch lange nicht, dass bei unserer alles in Ordnung ist.

Sicher geht es vielen Minderheiten viel schlechter als uns, aber
erstens sind wir keine sprichwörtliche Minderheit, sondern eine
Volksgruppe im angestammten Heimatland, das 600 Jahre zu Österreich
gehört hat und das auf widerrechtliche Weise, ohne die Bevölkerung zu
fragen, von Italien annektiert wurde. Und zweitens kämpfen wir für die
Autonomie seit Jahrzehnten, genau genommen seit Ende des zweiten
Weltkrieges, als uns die Siegermächte das Selbstbestimmungsrecht wieder
verwehrt haben und als Ersatz das Gruber-Degasperi Abkommen
ausgehandelt wurde.

Diese Autonomie hat nun aber ausgedient, sie ist tot und ist schon
jahrelang rückläufig, wie ein namhafter Parlamentarier und
Volksvertreter im Frühjahr öffentlich erklärt hat. Mir ist unverständlich warum man so krampfhaft
an einer Leiche festhält, hat man wirklich keine anderen Visionen mehr
zu bieten?

Unverständlich sind mir auch Aussagen hoher politischer Exponenten,
welche uns Mitglieder der Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung als
Aufhetzer hinstellt und dass wir angeblich nur Hass säen würden und
Zündler seien. Ich verwehre mich energisch gegen eine solche haltlose
und schwerwiegende Unterstellung, welche jeglicher Grundlage entbehrt
und schlechtes politisches Niveau darstellt. Wir sind alles Männer und
Frauen, welche sich schon Jahrzehnte zum größeren Teil ehrenamtlich für
die Rechte unserer Heimat einsetzen und auch große Opfer gebracht
haben.

Wir haben den Dialog mit der Regierungspartei gesucht, weil wir der
Meinung sind, dass wir alle beim selben Strick ziehen müssen, um das
erstrebenswerte Ziel, das „Los von diesem für uns immer noch fremden
Staat“ zu erreichen!

Wir lassen uns jedenfalls nicht beirren und gehen unseren Weg der Selbstbestimmung konsequent weiter.

Darum appelliere ich an euch alle, unterstützt uns wo und soviel ihr
könnt, denn um ein großes Unrecht aus der Welt zu schaffen ist dies der
einzige richtige Weg!

Ich erteile nun das Wort unserem Gedenkredner Sepp Mair, ehemaliger
Landesrat. Er ist einer der wenigen, welche bei dieser Gedenkfeier von
Anfang an immer dabei war. Daraus ersieht man welchen Respekt er vor
Sepp Kerschbaumer hatte, den er persönlich ja gut kannte.

Sepp Mitterhofer
Obmann des Südtiroler Heimatbundes

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