„Die Attentate der 1960er haben zur Erfolgsgeschichte der Marke Südtirol mit beigetragen“

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bombenjahresuedtirol.jpgDiese Schlussforderung zog Paul Rösch, Direktor des Touriseums, im Rahmen der Tagung in der Eurac über „ Südtirolismen II – Remembering the "Feuernacht" in Südtirol” in seinem Referat. Damit ist klar widerlegt, dass die Freiheitskämpfer der einheimischen Tourismuswirtschaft Schaden zugefügt hätten, stellt Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes, fest. Erst mit den ersten Verhandlungen Roms mit der SVP über eine Autonomie trauten sich die italienischen Urlauber wieder nach Südtirol, so Paul Rösch.

Paul Rösch untermauerte seine Ausführungen mit Unterlagen des damaligen
für Tourismus zuständigen Landesrates Robert von Fioreschy
(Tätigkeitsbericht 1966):

„Die Fremdenverkehrsbewegung kann in
den vier Jahren unserer Berichtszeit allgemein als gut bezeichnet
werden. Lediglich im Sommer 1961 kam es durch die Sprengstoffanschläge
zu einer spürbaren Verminderung vor allem des italienischen
Fremdenverkehrsstromes, der zum Teil auch auf eine übertriebene und
tendenziöse Berichterstattung verschiedener Zeitungen zurückzuführen
war. Aber schon 1962 konnte diese vorübergehende Krise überwunden und
sogar der Stand der Fremdenverkehrsbewegung von 1960 überschritten
werden.“ Fioreschy notiert, dass 70 % der Touristen aus dem Ausland
kommen, wobei die Gäste aus der Bundesrepublik den größten Anteil
verzeichnen: Deutschland 82,6 %, Holland 4,1 %, Österreich 3,7 %,
Belgien, Frankeich und USA je 1,3 %, England 2,3%, Schweiz 1,1 %.

Der
niedere Anteil der österreichischen Gäste ist auf die Visumpflicht
zurückzuführen, die die italienische Regierung im Sommer 1961 für
österreichische Gäste eingeführt hat.

Damit haben Gäste aus dem
deutschsprachigen Ausland nicht nur die italienischen Gäste ersetzt,
sondern vielfach auch aus Solidarität mit den bedrängten Volk ihren
Urlaub in Südtirol verbracht. Treffend dazu zitiert Rösch die Aussage
von Konrad Dissertori, langjähriger Leiter des Tourismusvereins Eppan:

„Im
Unterland habe es kaum italienische Gäste gegeben. Die wenigen
deutschen Gäste wohnten bereits schon in den kleinfamiliären Strukturen.
Abgereist seinen wegen der Anschläge keine Gäste, im Gegenteil. Es
hieß:

„Den Südtirolern müssen wir helfen, jetzt müssen wir
Solidarität zeigen, dass wir zu ihnen stehen, jetzt erst recht. Das war
die Devise!“

Das Referat von Paul Rösch “Die Auswirkungen der
Südtiroler Attentate auf den Tourismus“ wurde als Vortrag im Rahmen der
Südtirolimsen II an der Eurac in Bozen am 12. und 13. März 2012 gehalten
und wird demnächst in der Eurac-Reihe veröffentlicht.

Roland Lang
Obmann des Südtiroler Heimatbundes

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