Recherchen über das Mussolini KZ in Blumau erhalten neue Bestätigungen

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Die vom Buchautor Günther Rauch verfassten und vom Südtiroler Heimatbund (SHB) und dem Verein für Südtiroler Geschichte (VSG) herausgegebenen Bücher mit den harten Fakten über das Mussolini KZ in Blumau haben neue Bestätigungen erhalten. Erst kürzlich wieder durch die Memoiren eines früheren Rekruten der „Avanguardisten“, die im „Ventennio fascista“ die Jugend von 16 bis 18 Jahren erfasste. Im Sommer 1941 war er Augen- und Ohrenzeuge von griechischen Internierten und italo-rassistischen Klischees.

Im KZ Campo di concentramento Prato d’Isarco wurden von Silvester 1940 bis Ende 1943 abwechselnd zwischen 400 und 3000 Regimegeger und Kriegsgefangene festgehalten. Wie die Aufzeichnungen ein dem Buchautor zur Einsichtnahme überlassenes Tagebuch eines italienischen Wachmannes aus dem Trentino belegt, wurden im Frühjahr 1941 rund 3000 eingesperrte und halbverhungerte Mussolini-Gegner aus den Balkanstaaten zum Blumauer Bahnhof getrieben und mit Güterzügen in weit entfernte Arbeitslager des Dritten Reichs gebracht. Das auf Auftrag von Mussolini auf dem 12 Hektar großen Wirtschaftsgelände der ehemaligen Brauerei Blumau errichtete und vom italienischen Militär und 66 Scharfschützen bewachte gebaute den Faschisten geführte Lager wird jetzt auch von Personen bescheinigt, die jenen Kreisen nahestehen die bisher die Existenz des italienischen KZ Campo di concentramento Prato d’Isarco zunächst negierten und dann bagatellisierten.

Günther Rauch wurde kürzlich von italienischen Antifaschisten die Memoiren eines in die Jahre gekommenen ehemaligen Mitgliedes der schwarzhemdigen Bozner Avanguardisten zugespielt. Der heute in Rovereto lebende Greise erzählt auf einer Seite in seinem im Eigendruck herausgegebenen Buch von seiner Fahrt als 16 jähriger Jugendlicher nach Blumau, wo er im Juni 1941 in dem „mehrmals mit Stacheldraht eingezäunten Lager Aberdutzende in dunkelbrauner Häftlingsuniform gekleidete Männer beobachten konnte.“ Ein venezianischer Bahnbeamter habe ihn bereits im Zug informiert, dass dies „I ze Pedoci“ (Faschistensprache = „es sind Parasiten“, „Pedikulose“, „Lausbefallene“), „prigionieri greci“, griechische Gefangene. Sie seien „im alten Gebäude und Gelände der Bierbrauerei Blumau untergebracht gewesen.“ Nach zwei Wochen wurden die Gefangenen „um sie abzulenken, zum Bau der Völserstraße eingesetzt.

Die von einem Geometer angewiesen Häftlinge arbeiteten nur mit Pickel, Schaufeln und Schubkarren.“ Den Häftlingen des Mussolini KZ war es „im Laufe von zwei Jahren gelungen, das erste Teilstück der Straße bis zum Gasthaus Fausterhof fertigzubauen“. Die Beobachtungen desItalieners enden mit der höchst sarkastischen Bemerkung: „Veramente una bella iniziativa“, „eine wahrhaft schöne Initiative.“ Besseres ist dem alten Avanguardisten wohl nicht eingefallen, moniert der Obmann des Südtiroler Heimatbundes Roland Lang.

Denn wie es den Zwangsarbeitern des Konzentrationslagers wirklich ging und von den grausamen Kriegsverbrechen der Mussolini-Truppen auf dem Balkan und der Strategie der verbrannten Erde in Griechenland davon erfährt man in den mit der wohligen Decke der Nostalgie von 1939 bis 1946 aufgezeichneten Erinnerungen wenig, wenn gar nichts. So wie – laut Roland Lang – leicht vergessen wird, dass slawische Mussolini- Gegner es waren die für die Schwerarbeiten zur Fertigstellung des den 700 Meter langen und neun Meter breiten Bozner Virgltunnels – noch vor den ersten alliierten Luftangriffen auf Bozen – und australische Kriegsgefangene für Zwangsarbeiten an der Brennerstraße eingesetzt wurden. Der faschistische Adler und der Liktorenbündel am Südeingang des Virgltunnels erinnert noch heute deutlich, so Roland Lang, wer damals die Herren im Lande waren.

Roland Lang
Obmann des Südtiroler Heimatbundes

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