„Sepp-Kerschbaumer-Feier“

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Nachdem jedes Jahr immer mehr junge Leute, hauptsächlich Schützen, aus allen Teilen Tirols an dieser Gedenkfeier teilnehmen, ist es sicher sinnvoll einmal den Anfang und die Entwicklung dieser Feier zu veröffentlichen, damit sie auch richtig verstanden wird.

Jedes Jahr wird am 8. Dezember, eine vom Südtiroler Heimatbund und Südtiroler Schützenbund organisierte Gedenkfeier am ehemaligen Grab von Sepp Kerschbaumer an ihn und seine verstorbenen Mitstreiter Franz Höfler, Toni Gostner, Luis Amplatz, Jörg Klotz und Kurt Welser gedacht. Heute liegt Sepp Kerschbaumer in Frangart, in seinem Heimatdorf, wo ihn seine Familie nach der Neugründung des Friedhofes überführt hat, begraben.

{mosimage}Wer ist Sepp Kerschbaumer? Er war der Anführer der Widerstandsbewegung in Südtirol (BAS: Befreiungsausschuß Südtirol), welche Ende der fünfziger und anfangs der sechziger Jahre Anschläge verübte um die Weltöffentlichkeit auf die, durch die Unterdrückung des italienischen Staates entstandene miserable politische, wirtschaftliche und soziale Lage in unserer Heimat aufmerksam zu machen und gleichzeitig die Wiedervereinigung Tirols zu unterstützen.

Der Höhepunkt war die bekannte Feuernacht am 11. Juni 1961, in der 47 Elektromasten in die Luft flogen. Heute erinnert im Friedhof von St. Pauls neben dem Gefallenendenkmal auch eine Gedenktafel an die oben erwähnten verstorbenen Freiheitskämpfer.

Die erste Gedenkfeier an Sepp Kerschbaumer, wurde vom Mithäftling Hans Stampfl aus Gries 1966 ins Leben gerufen. Er ist am 7. Dezember 1964 im Gefängnis von Verona an Herzversagen gestorben. Ab 1967 hat Otto Petermair aus Frangart, auch Mithäftling und Freund vom Sepp, mitgeholfen die Gedenkfeier zu organisieren. 1972 ist der Südtiroler Heimatbund von den politischen Häftlingen gegründet worden und ab diesem Zeitpunkt hat dieser die Organisation in die Hand genommen. 1983 hat der damalige Bundesmajor Michl Ebner beim Heimatbund schriftlich angefragt, ob der Südtiroler Schützenbund sich bei der Gedenkfeier beteiligen darf. Anfangs hat der SSB die Anzeige in den Dolomiten mitgetragen, später dann auch mitgeholfen zu organisieren. Mitte der achziger Jahre wurde von den Faschisten ein Anschlag auf die Gedenktafel verübt, sodass eine neue angebracht werden musste. Die Täter dieses Sprengstoffanschlages wurden nie gefasst. Später wurde sie auch einmal mit Farbe übersprüht. 1997 sind zwischen Heimatbund und Schützenbund Meinungsverschiedenheiten aufgetreten, welche nach zwei Jahren Verhandlungen beigelegt werden konnten.

In den letzten Jahren hat sich die Gedenkfeier in St. Pauls zu einer großen und beeindruckenden Landesfeier für die verstorbenen Freiheitskämpfer entwickelt. Durch die starke Teilnahme der Schützen aus Südtirol, Vertretungen der Welsch- und Nordtiroler Schützen, des Heimatbundes und anderer Verbände ist die Teilnehmerzahl bis auf rund 2.000 angestiegen.

In den vergangenen Jahren konnten auch namhafte Politiker als Redner gewonnen werden, wie Altlandeshauptmann Wendelin Weingartner und Alois Partl, ÖVP-Obmann von Nordtirol Herwig van Staa, sowie der ehemalige Bezirkshauptmann von Osttirol Otto Doblander. Seit einigen Jahren umrahmt abwechselnd mit ihrem Spiel eine Musikkapelle aus dem Überetsch die Feier beim Einzug der Schützen, bei der Messfeier und auf dem Friedhof. Vorher spielte eine kleinere, aus dem ganzen Land zusammengewürfelte Gruppe, welche auch Heimatbund-Kapelle genannt wurde. Auf dem Friedhof neben der Gedenkstätte der Gefallenen wird die Begrüßung und Gedenkansprache gehalten. Seit zwei Jahren wird zu Ehren der Freiheitskämpfer eine Salve abgeschossen und danach beim Spiel vom Kameradenlied werden je ein Kranz vom Heimat- und Schützenbund vor der Gedenktafel niedergelegt. Als Abschluss der würdigen Gedenkfeier wird die Landeshymne gespielt.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich all jenen, welche zur Verschönerung und zum würdigen Ablauf der Feiern beigetragen haben, ein herzliches Vergelt`s Gott aussprechen. Besonders Pater Rainald Romaner für die heimatbewussten Predigten bei der Messfeier im Dom auf dem Lande und dafür dass er uns in der schwierigen Zeit nicht im Stich gelassen hat. Für die Priester, welche bei der Gedenkfeier in St. Pauls die Messfeier und Predig gehalten haben, war es gar nicht so einfach, weil sie öfters Schwierigkeiten mit der Kurie bekamen. Pater Leoplod z.B. der uns politische Häftlinge auch im Gefängnis von Mailand und Trient monatlich besucht hatte, bekam vom Bischof einen Brief indem er gerügt wurde, weil er öfters in St. Pauls am 8. Dezember die Gedenkmesse gelesen hatte. Pater Walter Mazzari von den Eucharistinern, wurde wegen derselben Tätigkeit von der Kurie sogar nach Deutschnonsberg strafversetzt. Pater Rainald Romaner hat ebenfalls eine Verwarnung bekommen, hat sich deshalb aber nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Zum Abschluss noch einige Worte zum Nachdenken. Bei der Kerschbaumer Gedenkfeier ehren wir die toten Kameraden, welche direkt oder indirekt durch den Freiheitskampf das größte Opfer, das ein Mensch für die Heimat bringen kann, ihr Leben hingegeben haben. Wir gedenken aber auch jener Freiheitskämpfer welche als Folgeerscheinung von Folter und langjähriger Haftstrafen, allzu früh sterben mussten. Aber mit ehren allein ist es nicht getan, wir haben einen Auftrag und eine Aufgabe zu erfüllen, im ständigen Kampf um die Erhaltung unserer Tiroler Identität. Nur die Gedenkfeier zu besuchen ist zu wenig, sie sind uns Vorbild und deshalb müssen wir mit den Waffen des Geistes ihren Auftrag weiterführen. Wir müssen ständig unsere Rechte verteidigen, denn die Assimilierung schreitet unaufhaltsam fort. Alles was dazu angetan ist die Vermischung zu fördern, müssen wir bekämpfen. Es gibt politische Kräfte in unserem Land, denen das Geld und die Macht mehr bedeutet als die Volkstumspolitik, denen müssen wir die Stirn bieten.

Wenn wir dem Auftrag Sepp Kerschbaumers und seiner Mitkämpfer gerecht werden wollen, müssen wir das Zusammenwachsen der drei Landesteile Nord- Ost- und Südtirol aktiv unterstützen, welche die Wiedervereinigung Tirols zum Ziel hat.

Abschließend noch ein Zitat aus dem Rundbrief von Sepp Kerschbaumer vom Februar 1961:

„Wir Tiroler wollen selber frei entscheiden mit wem wir zusammenleben wollen. Es gibt für uns und das muss Ihnen (den Politikern) klar sein, nur eine Sicherheit, in Frieden und Freiheit als Tiroler weiterleben zu können, vereint mit allen übrigen Tirolern im Staate Österreich!“

Sepp Mitterhofer

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