Südtiroler Freiheitskampf (60er Jahre)

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Mit dem Ende des 1. Weltkrieges im November 1918, dem Zusammenbruch und Auflösung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie begann das heute noch ungelöste Südtirol-Problem.

Tirol wurde allen Menschen- und Völkerrecht zum Trotz geteilt und Südtirol als „Kriegsbeute„, ebenso wie Triest und Trient, Italien zugesprochen. Dies geschah ohne Zustimmung der betroffenen Südtiroler Bevölkerung, für welche bald eine leidvolle Zeit unter der faschistischen Gewaltherrschaft begann.

Nach der Option – ein Vertrag, mit welchem die beiden Diktatoren Mussolini und Hitler die Entscheidung stellten, sich zum Deutschtum zu bekennen und die Heimat zu verlassen oder die eigenen Identität aufzugeben und Italiener zu werden – und dem Ende des 2. Weltkrieges verweigerte man den Südtirolern wieder die freie Entscheidung über die staatliche Zugehörigkeit trotz der 160.000 gesammelten Unterschriften für die Selbstbestimmung: Südtirol verblieb bei dem nun zu einer Demokratie gewandeltem Staate Italien.

Im Pariser Vertrag, der 1946 zwischen Italien und Österreich abgeschlossen wurde, sicherte Italien den Südtirolern eine Autonomie zu, die das Überleben der österreichischen Volksgruppe unter fremder Herrschaft gewährleisten sollte. Doch das demokratische Italien führte die Assimilierungspolitik des faschistischen Italien mit anderen, subtileren Mitteln fort.

Um den Pariser Vertrag und die Autonomie nicht zum Tragen zu bringen, wurden sie auf die Region Trentino-Südtirol ausgeweitet. Somit wurde die deutsche und ladinische Volksgruppe zur Minderheit und alle Schutzmaßnahmen verloren ihre Wirkung.

Die Politiker des Landes erreichten wenig und schon bald wurde der Ruf laut, der weniger Worte und mehr Taten verlangte. Der italienische Staat reagierte mit immer härteren und repressiveren Maßnahmen. Gerichtsurteile, vom reinsten Hass gegen die deutsche Volksgruppe beseelt und zur angeblichen Verteidigung der scheinbar gefährdeten „Italianita“ waren an der Tagesordnung.

Für einen Südtiroler war es praktisch unmöglich, eine Anstellung in einem öffentlichen Amt oder eine Volkswohnung zu erhalten. Auf Arbeitssuche mussten Tausende junger Männer und Frauen ihre Heimat verlassen.

Die vom italienischen Staat zur Einwanderung aufgeforderten Arbeiter aus Süditalien wurden bei den öffentlichen Stellen und Volkswohnbauten überall bevorzugt und besetzten 90% davon. Diese sollten bald im Land eine italienische Mehrheit bilden.

Schon früh wurde dieser Entwicklung ein aktiver Widerstand entgegen gesetzt. Überall im Land kam es immer wieder zu kleineren Aktionen gegen die italienische Staatsmacht.

1957 wurden 7 junge Burschen aus Pfunders im Pustertal nach einem von nationalistischen Geist geprägten Indizienprozess zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Sie wurden beschuldigt, nach einer Wirtshausrauferei einen italienischen Finanzbeamten ermordet zu haben. Die Südtiroler Bevölkerung war von der Unschuld dieser Burschen überzeugt, die sie für Opfer der von Willkür und Hass geleiteten italienischen Justiz hielten.

Dieses Schandurteil und viele andere Geschehen führten dazu, dass sich Widerstandsgruppen organisierten. Im Raum Bozen begann die sogenannte „Stieler-Gruppe“ mit ersten Anschlägen auf Strommasten und sich in Bau befindliche Volkswohnhäusern. Die Gruppe wurde aber bald aufgedeckt und die meisten der Beteiligten verhaftet.

Im Jahr 1959 schlossen sich mehrere Aktivisten um Sepp Kerschbaumer -Kopf und Symbolfigur des Südtiroler Widerstandes – zum Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) zusammen. Der BAS wurde durch andere Personen aus Südtirol, Nordtirol und Österreich erweitert und bald trat er durch Sprengstoffanschläge und Flugblattaktionen in Erscheinung.

Im Juni 1961 gipfelten diese Aktionen in der „Feuernacht“: im ganzen Land wurde von den Angehörigen des BAS Anschläge auf Hochspannungsleitungen verübt,mit dem Ziel die Industriezone in Bozen lahm zu legen. Der italienische Staat war schockiert und ganz Europa horchte auf.

Der italienische Staat reagierte aber bald mit harten Maßnahmen: menschenrechtswidrige Hausdurchsuchungen und Verhöre waren an der Tagesordnung. Sie tappten aber scheinbar im Dunkeln.

Erst durch einen konkreten Hinweis konnte die italienische Polizei einen BAS-Aktivisten inhaftieren. Durch brutalste Folterungen wurden diesem die Namen weiterer BAS-Angehöriger heraus geprügelt. Und wie eine Lawine überrollten Verhaftungen die gesamte Organisation.

Bald war ein Großteil – weit über Hundert Widerstandskämpfer verhaftet. Die brutalen Folterungen hatten ihre Wirkung gezeigt! Zwei Häftlinge – Franz Höfler und Toni Gostner – starben im Gefängnis an den Folgen der erlittenen Qualen.

Obwohl gegen die folternden Carabinieri Anzeige erstattet und diese vor Gericht gestellt wurden, wurden sie nicht zur Rechenschaft gezogen; im Gegenteil, Italien ehrte sie für ihre „patriotischen“ Taten.

1964 fand in Mai land ein großer Prozess gegen die Südtiroler Widerstandskämpfer statt. Sepp Kerschbaumer – wie auch alle anderen eingekerkerten Mitkämpfer – beeindruckte das Gericht und die Öffentlichkeit durch sein mannhaftes Auftreten, seine Würde und seine große Liebe zur Heimat. Trotzdem verhängte das Gericht langjährige Haftstrafen für die Angeklagten, über 500 Jahre mussten die Südtiroler Freiheitskämpfer insgesamt in italienischen Gefängnissen verbüßen.

Auch Sepp Kerschbaumer überlebte die Kerkerstrafe nicht, er verstarb 1964 im Gefängnis von Verona.

Nach der Feuernacht 1961 führte der Rest des BAS den Widerstand gegen den italienischen Staat weiter. Jörg Klotz und Luis Amplatz, denen 1961 die Flucht nach Österreich gelungen war, schlichen immer wieder mit anderen Kameraden übe die Grenze nach Südtirol, um dort Anschläge zu verüben. Durch bezahlte Agenten versuchte der italienische Geheimdienst den Widerstand zu besetigen. Im September 1964 schließlich gelang es Christian Kerbler, einem bezahlten Gemeindienstmitarbeiter, auf den Brunner Mahdern im Passeier Luis Amplatz zu ermorden. Jörg Klotz wurde bei dieser Aktion schwer verletzt, konnte aber über die Berge nach Nordtirol fliehen.

In den folgenden Jahren spitzte sich die Situation nochmals zu. Die Pusterer Buabm, vier junge Burschen aus dem Tauferer-Ahrntal führten ihren Untergrundkampf weiter. Es gab mehrere Tote auf beiden Seiten, wobei bis heute die Hintergründe und die Rolle des italienischen Gemeindienstes ungeklärt bleiben. Durch Mordanschläge sollten die Freiheitskämpfer in der Bevölkerung in Mißgunst fallen, was zum Teil auch gelang.

Erst 1969 fanden durch die Annahme des Paketes (52% zu 48%) die Anschläge des BAS ein Ende, wohl auch weil die italienische Regierung durch die Anschläge der, Südtiroler Freiheitskämpfer zum Einlenken gezwungen wurde.

Die Freiheitskämpfer haben sich damals für die Wiedervereinigung Tirols eingesetzt; weil die Assimilierung trotz Paketes weitergeht, stellt diese Autonomie nur eine Übergangslösung dar!

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