Wie der Südtiroler Freiheitskampf der 1960er Jahre von der hohen Politik unterstützt wurde

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Besprechung einer neuen Dokumentation des „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB) durch Meinrad Berger

Der „Südtiroler Heimatbund“ (SHB) hat vor kurzem eine Dokumentation mit dem Titel „Feuernacht – Die Notwehr eines Volkes“ über den Südtiroler Freiheitskampf der 1960er Jahre veröffentlicht, die im Südtiroler EFFEKT Verlag erschienen ist und dort bestellt werden kann. In dieser Broschüre wird das damalige Bestreben des italienischen Staates geschildert, die Südtiroler unter zwangsweise zu italianisieren und als eigenständige deutsche und ladinische Volksgruppe auszulöschen.

Bislang wurden die damaligen Freiheitskämpfern nicht nur von italienischer Seite vielfach als leichtfertige Abenteurer dargestellt.

Eine neue Dokumentation des österreichischen Historikers Helmut Golowitsch in einer weiteren von dem „Südtiroler Heimatbund“ (SHB) herausgegebenen neuen Broschüre zeichnet ein gänzlich anderes Bild.

Helmut Golowitsch

BAS

Die geheimen Mitwisser und Förderer

2023 Effekt Verlag

79 Seiten, Format: 140×210 mm

ISBN: 979-12-5532-024-1

Softcover

17,50 Euro

Link zur Internetseite des EFFEKT-Verlages:

Der SHB-Obmann Roland Lang hat in dem Vorwort zusammengefasst, worum es in dieser Dokumentation geht:

„Die Aktivisten des Südtiroler Freiheitskampfes der 1960er Jahre hatten Vieles erdulden müssen: Verfolgung, Inhaftierung, Folter, langjährige Haftstrafen, beruflichen Ruin.

Italienische Politiker – auch solche mit faschistischer Vergangenheit –  und die mit ihnen verbündete Presse bezeichneten die Freiheitskämpfer gerne als „Pangermanisten“ und unterstellten ihnen eine „Nazi“-Gesinnung.

In Österreich wurde manchmal gerne so getan, als hätte es sich bei den Männern – und auch Frauen – des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) um eine Gruppe bedauernswerter Wirrköpfe gehandelt, um geistig Minderbemittelte, um leichtfertige Abenteurer oder verantwortungslose Fanatiker.

Die hohe Politik trat solchen Darstellungen vielfach nicht entgegen – und dies aus gutem Grunde.

Die Gründung des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) war nämlich mit Wissen und Unterstützung hoher und höchster politischer Kreise in Österreich und Südtirol geplant und durchgeführt worden. Auch seine Aktionen wurden in der Folge mit Rat und Tat unterstützt.

Bekennen konnten sich die involvierten Politiker zu den Anschlägen nicht. In Südtirol hätte dies umgehend zur behördlichen Auflösung der „Südtiroler Volkspartei“ (SVP) und der gerichtlichen Verfolgung der führenden Politiker geführt. …

Ein offenes Bekenntnis österreichischer Politiker hätte Rom die Möglichkeit gegeben, umgehend alle Verhandlungen mit Österreich scheitern zu lassen und Österreich vor der Weltöffentlichkeit anklagend an den Pranger zu stellen.“

Heute ist diese Brisanz nicht mehr gegeben. Bedeutende Politiker wie der Landeshauptmann und SVP-Obmann Dr. Silvius Magnago haben öffentlich kundgetan, dass das verbesserte zweite Autonomiestatut vor allem mithilfe der Anschläge der Freiheitskämpfer der 1960er Jahre erreicht worden ist.

Heute kann hiermit auch die wertvolle Dokumentation des Historikers Helmut Golowitsch über die Unterstützung des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) durch hohe und höchste Politiker der Öffentlichkeit vorgelegt werden, ohne politischen Schaden anzurichten.

Nachstehend nur einige wenige Beispiele aus der umfangreichen Dokumentation:

Natürlich war die Unterstützung des BAS durch die hohe Politik damals streng geheim. Sie ging so weit, dass sogar Innsbrucker Staatspolizisten mit der Billigung von oben die Südtiroler Freiheitskämpfer unterstützten und in einem Fall sogar eine Waffe besorgten.

Die Dokumentation ist spannend zu lesen und vermittelt fesselnde Einblicke in das damalige dramatische Geschehen.

Meinrad Berger

Obmann-Stellvertreter des „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB) und ehemaliger politischer Häftling

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